Letzte Woche berichtete ich euch *hier* ja von meinem turbulenten Werdegang bis ich endlich meine Op bekommen habe. Heute möchte ich daran anknüpfen und euch von meinen Erfahrungen direkt danach und bis heute erzählen.

Ich wachte also gegen 18 Uhr, noch ziemlich benebelt, am 19.05.21 im Aufwachraum wieder auf. Das erste was ich sehen wollte, waren die Pflaster auf meinem Bauch. Denn auch direkt nach der Operation hat mich der Gedanke, dass wieder was dazwischen kam, nicht los gelassen. Die Schwestern halfen mir, da ich selbst noch nicht richtig bei Sinnen war und so konnte ich mir meine kleinen fünf Pflaster auf meiner dicken Plauze anschauen. Ich war erleichtert und brach in Tränen aus. Tränen der Freude, die Schwestern fragte mich gleich, ob alles in Ordnung sein und ob ich Schmerzen habe. Scherzend entgegnete ich, dass ich nun endlich operiert wäre und dass mich das grad einfach nur unglaublich glücklich macht. Sie freuten sich mit mir und nach einer weiteren halben Stunde durfte ich zurück in mein Zimmer.

Dort angekommen musste ich unbedingt erst mal aufstehen. Was ich natürlich nur mit Hilfe der Schwestern durfte, ich bat also noch, ehe sie wieder das Zimmer verlassen hatte, dass ich doch bitte aufstehen möchte und zur Toilette gehen will. Sie meinten das wäre doch noch zu früh, ich entgegnete dann natürlich gleich, ganz selbst die Krankenschwester, dass ich doch bitte aufstehen will, weil wenn das gut klappt und ich Wasser lassen kann, ich heute Nacht keine Hilfe benötige wenn ich dringend müsste. Die Schwester lachte und bat den Pfleger noch kurz hier zu bleiben um mit mir auf die Toilette zu gehen. Er wartete natürlich vor der Tür, mit wackeligen Beinen und auf den Infusionsständer gestützt, die andere Hand auf dem Bauch liegend, stand ich dann auf und ging zur Toilette im Zimmer. Alles funktionierte wie gewollt und ich gab dem Pfleger das „Go“, dass er gehen könnte, als ich wieder auf meinem Bett saß.

Das erste Foto nach der Roux-en-Y-Magenbypass-Operation.

Der Morgen danach…

Die Nacht verging ereignigslos. Ich schlief und döste viel, schrieb seltsame Nachrichten an meine Familie, dass ich noch lebe und alles ok ist, jedoch machte mir T9 lustige Sätze draus. Am nächsten Morgen hatte ich schon sehr früh den Drang aufzustehen, mir tat der Rücken weh vom Bett. Die Matratze war viel zu hart, so setzte ich mich auf mein Sofa und versuchte einige Schlucke Wasser zu trinken, was prompt mit stechenden Schmerzen in der Magengegend „belohnt“ wurde.

Egal wie oft ich es versuchte, Wasser trinken funktionierte den ganzen Tag über nicht. Nach jedem Schluck hatte ich extreme Schmerzen, also bat ich um Tee. Diesen bekam ich aber leider erst, mit dem Ok der Ärztin, die zur Visite kam und sich erst einmal riesig freute mich schon ausserhalb des Bettes zu sehen. Sie unterrichtete mich, dass alles gut verlaufen ist, gab mir Bilder von meinem Innenleben während der Op und gab mir als Tagesaufgabe auf, viel zu trinken und viel laufen zu gehen. Gesagt getan, Frühstück gab es ja noch nicht, also ging ich in den Garten, etwas Tee hatte ich mir gleich in meine Trinkflasche abgefüllt und so spazierte ich, im Schneckentempo, eine Hand auf dem Bauch um ihn zu stützen, Runde für Runde im Garten auf und ab.

Das Highlight bekam ich am Abend, die genialste und tollste klare Gemüsebrühe meines Lebens. Sie war soooo lecker und so genial – das es einfach eine billige Instantbrühe war, verheimlichen wir jetzt mal. Aber nach zwei Tagen ohne Nahrung und nur mit Wasser und Tee freute ich mich unglaublich darauf. Und ungelogen, sie schmeckte mir super. Das kleine Tässchen schaffte ich sogar komplett, danach war ich aber pappsatt, als hätte ich ein halbes Schwein verdrückt.

Am nächsten Morgen gab es dann Joghurt mit Fruchtmus, davon hingegen packte ich tatsächlich nur drei Löffelchen. Danach spürte ich wieder diesen unangenehmen, fast schmerzhaften Druck in meiner Magengegend. Das ist also das Sättigungsgefühl, sprach ich mit meinem Magen, den ich zu diesem Zeitpunkt auch noch Bärbel taufte. 

Die Op in einem Bild erklärt.

Und dann ging es nach Hause….

Bärbel und ich, wir freundeten uns noch einen Tag gut an, ehe ich gehen durfte. Sodass ich nur zwei Nächte in der Klinik verbringen musste. Die nächsten vier Wochen verbrachte ich damit, sehr viel zu schlafen und bewusst darauf zu achten, alle drei Stunden eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen, dies jedoch im pürierten oder Flüssigen Zustand. Thermomix sei Dank, konnte ich einfach normal kochen und alles durchmixen. Aber eigentlich war jeder Aufwand egal, denn viel vertragen habe ich nicht. 100 ml und ich war satt.

Nudeln und allgemein Kohlenhydrate konnte ich komplett weglassen, denn darauf musste ich sofort brechen. Die Ernährungsberatung hat uns erklärt, dass das daran liegen kann, dass sich Kohlenhydrate im Magen nochmal ausdehnen, naja, wo kaum Magen mehr ist, da kann sich auch nichts ausdehnen. Auch die Sache mit dem Wasser, welches ich bis heute pur noch nicht richtig vertrage, wurde mir erklärt. Wasser hat eine andere Oberflächenspannung, was dazu führt, dass ich Schmerzen habe wenn das Wasser an die Magenwand „klatscht“. Somit fing ich an Wasser immer mit etwas drin zu trinken. Am besten funktionierte es mit Tee, oder mit einem Spritzer Saft.

Nach zwei Wochen kam der Anruf….

Die Charité rief mich zwei Wochen nach der Op an, sie würden jetzt ja wieder operieren, ob ich denn nun meine neue Magenspiegelungsbefunde hätte. Ich schmunzelte und erklärte der Frau am Telefon, dass sie mich nun von der Warteliste streichen kann. Sie fragte verwundert, ob ich nicht mehr operiert werden möchte. Als ich ihr dann erzählte, dass ich nach dem Hin und Her bei ihren Kollegen, wo anders hingegangen bin, wurde sie pampig. Auf ihre Nachfrage, erklärte ich ihr, wo und wie ich operiert wurde, woraufhin sie mir sagte, dass ich mich ja hätte melden können. Ich sagte ihr nur freundlich, dass sich bei mir ja auch nicht gemeldet wurde, wie damals im November versprochen. Sie betitelte mich als unverschämt und ich legte auf. Das war mein letzter privater Kontakt zur Charité seither.

Christian und ich gingen jede freie Minuten zusammen spazieren, damit ich genug Bewegung hatte, denn mit Sport durfte ich erst nach vier Wochen wieder anfangen. Was soll ich sagen, das reichte aus, ich verlor Gewicht im Schlaf. Jedoch drehte sich gerade in den ersten vier Wochen alles ums Essen. Vieles vertrug ich nicht, es gab zwei Wochen wo alles wieder sofort oben raus kam. Meine Selbsthilfegruppe beruhigte mich, dass das ganz normal sei und passieren kann, sich aber wieder gibt. Also machte ich einfach weiter wie gehabt. Lebte teils Keto, also gänzlich ohne Kohlenhydrate und teils Low Carb, was ich eben am besten vertrug.

Nach gut sechs Wochen ging ich wieder arbeiten, ich hatte genug Energie, nahm schön meine Calcium und Multivitaminpräparate und achtete darauf auf 80 Gramm Eiweis am tag zu kommen. Somit futterte ich hauptsächlich Räucherfisch, Körnigen Frischkäse, Eiweißbrot und trank Tee und Eiweißkaffee. Denn genau nach vier Wochen, vertrug Bärbel so gut wie alles wieder. Lediglich Nudeln machen mir heute noch Probleme, davon kann ich leider weiterhin nur sehr wenig essen, sie bleiben jedoch, wenn ich auf meinen Magen höre und nicht zu viel davon esse, drin. Vor meinen Arbeitstagen ging ich immer einkaufen, es war erleichternd nicht mehr Unmengen an Essen mit mir zu schleppen, ein Becher Proteinjoghurt, wurde eine Hauptmahlzeit, 150 Gramm schaffe ich davon. Denn umso eiweißreicher etwas ist, umso weniger kann ich davon essen, denn Eiweiß macht satt.

 

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Drei Monate nach der OP…

Nach drei Monaten, habe ich gut herausgefunden, was ich vertrage und was nicht. Ich kam jedoch weiterhin nur schwer auf meine Eiweißmenge, da ich einfach nicht genug zu mir nehmen konnte und mir nach kurzer Zeit die Eiweißshakes einfach aus dem Hals hingen. Mein Geschmack hat sich auch verändert, ich kann kaum noch Fruitbowls essen, obwohl die so gesund wären. Jedesmal wenn ich daran denke wird mir schon übel. Auch süßen Quark esse ich sehr selten, meist schmeiß ich wahllos Kräuter rein, würz ihn mit Salz, Pfeffer und etwas Balsamico und verdrück so meinen Kräuterquark, wie ich damals eben Joghurts futterte. Auch liebe ich immer noch Körnigen Frischkäse, vorher fand ich ihn gar nicht so geil. Mit verschiedenen Gewürzen löffel ich den einfach so vor mich hin als Hauptmahlzeit.

Beim Essen gehen ist es immer noch schwer, ich schaffe mittlerweile rund 300 Gramm essen, wenn ich mir sehr viel Zeit lasse. Das bedeutet, ich bestelle mir meist eine Kinderportion, oder wo das wegen meinem Alter nicht, teile ich mir meine Mahlzeit mit Christian oder einem anderen am Tisch. Meist muss ich selbst von meiner halben Portion noch etwas für zuhause einpacken lassen. Doof nur, dass ich noch nicht so aussehe, als wäre das meine normale Essensmenge. Ich verstehe nun, warum viele sagen sie fühlen sich unwohl auswärts zu essen, da sie sich immer beobachtet fühlen, da ein dicker Mensch ja auch automatisch viel isst. Dumme Sprüche soll es auch in den Restaurants geben, viele Kellner scheinen es als Beleidigung zu sehen, wenn man nicht viel vom Gericht essen kann. Denn dann hat es einem ja automatisch nicht geschmeckt. Aber wer mich kennt, der weiß dass ich mit Blicken mittlerweile keine Probleme mehr habe und wenn jemand meint dumme Sprüche los zu lassen, wie „Sie haben sicher vorher schon wo anders gegessen!“ dann entgegne ich auch gekonnt „Ja ich war schon in drei weiteren Restaurants vorher!“ Meisten schauen sie dann dumm und gehen einfach.

Die Schattenseite…

Nach drei Monaten kommt auch die ersten große Blutkontrolle. Der Tag der Wahrheit also, ob man die Monate davor mit der Ernährung alles richtig machte. Ich wusste ja, dass ich nicht auf mein Eiweiß kam und prompt wurde mir das auch im Blutbild gezeigt, ich hab einen ziemlich starken Eiweißmangel. Was für mich bedeutet, noch mehr darauf zu achten, viel Eiweiß zu mir zu nehmen. Gute hochwertige Proteinpräparate gibt es ja wirklich wie Sand am Meer, ich muss mich nur zwingen sie auch zu nehmen. Durch den Eiweißmangel fangen mir an die Haare langsam auszufallen, meine Muskelmasse hat sich sehr verringert, was mir  auch meine Waage schon oft sagte. Jedoch kann ich dem mittlerweile mit Sport im Fitnessstudio zum Muskelaufbau sehr entgegenwirken. Prinzipiell muss ich aber sagen, nach den ersten vier Wochen, in denen ich kaum etwas essen konnte ohne zu brechen und jetzt dem Eiweißmangel, halten sich die schlechten Nebenwirkungen sehr in Grenzen, die Vorteile die mir diese Op gebracht hat, sind tausendmal mehr wert, als das bisschen leiden nach der OP oder das bisschen Haarausfall, was sich definitiv nach gewisser Zeit wieder normalisiert.

Die positiven Veränderungen…

Mittlerweile kennt Bärbel jeder in meinem Umkreis. Aus dem Spaß heraus, meinem neuen Magen einen Namen zu geben wurde ein richtiger Runninggag. Es ist viel einfach zu sagen, Bärbel mag keine scharfen Essen, als zu erklären, dass man das aus den verschiedensten Gründen nicht verträgt und was passiert wenn man zu scharf isst. So sage ich einfach, mein Magen hat ein Eigenleben. Denn genau das hat er wirklich, er gluggert ständig, knurrt lauter als je zuvor und wenn ihm was nicht passt, dann ist mir stundenlang übel. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran auf den Magen zu hören.

Achja, Thema Schweinehund, ich glaub den haben sie gleich mit operiert. Ich besitze keinen Schweinehund mehr, der sagt, ich muss nicht zum Sport. Ich bin so motiviert, dass ich teilweise, wenn meine Arbeit das zulässt, sogar drei mal die Woche zum Sport gehe. Vorher hab ichs nur geschafft, wenn ich mir dermaßen in den Hintern getreten habe. Jetzt freue ich mich riesig darauf ins Studio zu gehen.

Seit vier Wochen jetzt bemerke sogar ich die ersten Veränderungen. Hosen rutschen, Jacken werden zu weit, ich laufe viel länger und schneller. Im Urlaub im August konnte ich mit meiner Familie 30km Fahrradtouren machen, zwar mit Elektrorad, aber selbst das fiel mir vorher so unendlich schwer. Ich kann lange Spaziergänge machen und mich während dem Laufen unterhalten, früher ging nur laufen oder reden, ansonsten japste ich nach Luft. Das größte Highlight war, als ich mir einen richtigen Bügelbh bestellte und dieser passte, nichts an den Seiten hoch rollte oder rutschte. Ihr müsst wissen, ich trage seit über 8 Jahren keine normalen BHs mehr. Nur noch Sportbhs, da alle anderen unglaublich unbequem waren und immer überall verrutschten oder eben an den Seiten unter den Armen hoch rollten.

Ende des Monats tanzen wir auf einer Hochzeit im Rockabilly Stil. Ich passe in das Kleid, welches ich mir vor 10 Jahren für eine Konfirmation in der Familie gekauft habe und dass mir ewig zu eng war. Ich freu mich auf den Tag an dem ich mit meiner besten Freundin endlich in der Stadt bummeln gehen kann und nach Herzenslust in jedem normalen Laden etwas finde, nicht wie jetzt nur meine Klamotten online bestellen kann. Und wenn es vorerst nur mein lang ersehnter Bademantel von Hunkemöller ist! Das ist so ein kleiner Traum von mir.

 

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Die Zahlen, völlig unverblümt….

Vor der Op nahm ich durch den Stress ja nochmal 10 kg zu, obwohl ich so gut wie nichts gegessen habe. Was ja auch meine Übergewichtssymptomatik war, denn ich trainierte mir ja das Hungergefühl ab und aß nur wenn ich etwas vorgesetzt bekommen habe, ich Langeweile oder Gelüste hatte, für Christian etwas kochte oder wir mal schön Essen gingen. So startete ich in die OP mit sage und schreibe 178,8 Kilogramm. Also fast 180 Kilo. Bis jetzt nahm ich 33,1 Kilogramm ab und bin nun bei 145,7 Kilo. Vor der Op trug ich Konfektionsgröße 58/60, jetzt bin ich bei 54/56 und Oberteilen sogar meist 52/54. Ich bin unglaublich stolz darauf, dass es immer noch weiter geht mit der Abnahme und dass ich es soweit geschafft habe.

Das Ziel…

Mein Ziel ist es ein sogenannter UHU zu werden. Also unter hundert Kilogramm Körpergewicht zu kommen, denn genau dann ist es auch am gesündesten mit dem Thema Nachwuchs anzufangen. Das heißt also es müssen noch mindestens 48 Kilogramm runter. Klar wird es irgendwann schwieriger, aber bis dahin bin ich hoffentlich fit genug, richtig Sport zu treiben, mir ein neues Fahrrad zu kaufen und alle Wege hier in Berlin mit dem Rad zurück zu legen.

Ihr seht es ist unglaublich viel passiert im letzten Jahr, ich bin froh, dass nun endlich wieder alles den gewohnten Gang geht. Kein Stress mehr um die Op zu bekommen und endlich abnehmen zu können. Damit fällt ein riesen Teil von mir ab und ich kann mich endlich wieder den Dingen widmen die ich gerne tue. So auch meinem Blog, dem Gaming oder dem Nähen. Es hat mir so vieles, so unglaublich gefehlt, einfach weil ich keine Ruhe, keinen freien Kopf oder keine Zeit dazu hatte. Alles in allem geht es mir seit dem jetzt viel viel besser und ich hab so einen riesen Teil an Lebensqualität wieder, auch wenn es bisher „nur“ 33 Kilogramm sind. Die restlichen schaffe ich auch noch!