Ich weiß gar nicht genau wie ich anfangen soll. In meinem Beitrag vom letzten Jahr, berichtete ich euch ja schon, welche Odyssee ich hinter mir hatte, nur um endlich einen OP Termin zu bekommen und diesen dann auch wahrzunehmen.   Ich wollte der Charite vertrauen, leider ging einiges schief, 3 Op Termine hatte ich und jeder wurde kurz davor….oder direkt an dem Tag (ich lag schon im OP Bett) abgesagt. Ich hatte so eine Angst davor, dass die Termine wieder abgesagt werden, dass ich gar nicht darüber nachdachte, oder mich überhaupt mit dem Eingriff an sich auseinandersetzte. Diesmal wird es wohl ein noch längerer Beitrag, in dem es nur um den Weg bis zur OP geht, angeknüpft an den letztjährigen Beitrag. Aber fangen wir nochmal von vorne an:

Operationstermine am laufenden Band….

Nachdem ich letztes Jahr von Arzt zu Arzt, von Termin zu Termin rannte, kam Ende des Jahres endlich der ersehnte Anruf mit einem OP Termin. Eine Woche später wurde dieser abgesagt, da die Kliniken auf die Coronafälle umrüsteten und Stationen schlossen. Somit sollte es zwei Wochen später als geplant und in einem anderen Krankenhaus endlich soweit sein. Drei Tage vorher wurde ich wieder angerufen, dass sie diesen Termin nicht einhalten können, aufgrund der Anordnung weniger planbare Operationen durchzuführen. Aber sie könnten mir einen Termin anbieten, der erneut eine Woche später stattfinden soll. Wieder drei Tage vorher, es war Freitag, sollte ich zum PCR Abstrich in dieses Klinikum. Dort wurde mir versichert, dass ich erneut angerufen werde, solle der Abstrich positiv sein, sodass ich Montag nicht zur geplanten Operation kommen brauch. Es hat sich niemand an diesem Wochenende bei mir gemeldet und so stieg dir Freude und die Aufregung in mir an, bis ich dann Sonntag Nacht nicht mal mehr ein Auge zumachen konnte und kurzerhand die Nacht durchgemacht habe. So rief ich mir morgens um sechs ein Taxi zur Klinik und fuhr in großer Erwartung und mit gepackten Taschen dort hin.

In der Klinik angekommen wurde ich in einen Wartebereich geführt, dieser war komplett leer, eine nette Schwesternschülerin informierte mich, dass sie noch einen Abstrich durchführen müsste. Ich dachte mir nichts dabei und wartete eine Stunde ehe ich in mein Zimmer geleitet wurde. Als wir am Schwesternzimmer vorbei gehen wollten, hielt uns eine Schwester auf und informierte mich, dass mit dem Abstrich am Freitag wohl etwas nicht stimmte und deshalb eben noch dieser zweite Abstrich abgenommen wurde. Wir müssten nun bis 14 Uhr zirka auf das Ergebnis warten und dann ginge es, statt planmässig um 8 Uhr, endlich in den OP mit mir. Davon dass er positiv sein hätte können wurde nicht ausgegangen. Somit wurde ich ins Zimmer geführt sollte alles bereit machen, mein OP Hemd anziehen und mich einfach nochmal etwas ausruhen, sie kommen mich dann zur OP abholen. Ich nickte ein…

Die Ernüchterung…

Gegen 10 Uhr klopfte es, ich schreckte hoch, ein Arzt, die Schwesternschülerin und eine Schwester kamen herein, ich freute mich egal wieviel Uhr es gewesen ist, denn ich dachte ich können nun endlich los. Weit gefehlt, der Arzt setzte an: „Liebe Frau Baricevic, ich habe leider schlechte Nachrichten…..“ Mir stiegen sofort die Tränen in die Augen, die Panik wieder nicht operiert zu werden kam auf. Er erklärte mir, dass mein Abstrich vom Freitag wohl „schwach positiv“ war – also quasi ungültig – und wir nun zwingend auf das Ergebnis des Abstrichs von heute morgen warten müssen. Im selben Atemzug fügte er hinzu, das dies jedoch bis heute Abend um 17 Uhr dauern könnte und sie mich somit nach Hause schicken müssen, da um diese Uhrzeit keiner mehr operieren darf. Achja, beiläufig erwähnte er noch, dass ab morgen der nächste Lockdown greift und sie ab morgen alle planbaren Operationen einstellen müssen, bis auf Weiteres. Er würde mich aber gleich auf Platz eins der Warteliste setzen, somit würde ich sofort informiert werden, wenn sie wieder zu operieren beginnen. Er wünsche mir alles Gute und es täte ihm leid.

Da war ich nun, in meinem Taxi nach Hause, total verheult und endlos genervt und enttäuscht, war ich doch so nah am Ziel. Ich rief wie die Wochen zuvor meine Chefin an, sagte ihr, dass sie die Dienstpläne nun wieder umschreiben kann und ich natürlich wieder arbeiten kommen kann. Denn eigentlich war ich sechs Wochen nach der OP im Krankenstand geplant. Das schlechte Gewissen meines Teams gegenüber, das die Wochen zuvor schon ständig Dienste getauscht, wieder abgegeben und angenommen haben, stieg ebenfalls nochmal ins unermessliche. Meine Chefin, sprach mir gut zu und meinte ich solle mich nun erst mal ausruhen, sie meldet sich die Tage dann mit meinen Diensten. Somit kam ich heim, schrieb Christian eine Whatsapp, dass ich zuhause bin, mit einer kurzen Begründung und legte mich ins Bett. Ich fühlte mich so unglaublich leer und schwer.

Ich schlief sehr lange….irgendwann in der Nacht wachte ich auf und hatte Halsweh. Also trank ich etwas und setzte mich vor die Glotze. Chris lag schon im Bett neben mir und schlief tief und fest, da er noch einige Dienste vor sich hatte, kuschelte ich mich an die Miezen, trank einen Tee und ließ ihn in Ruhe schlafen. Auch hier nickte ich irgendwann ein. Am nächsten Morgen wurde ich mit einer fetzen Erkältung wach. Ich hatte Kopfweh, Halsweh, Gliederschmerzen und meine Nase lief. Somit war das Erste, wieder meine Chefin anzurufen und ihr zu sagen, dass ich nun leider doch krank bin, scheinbar viel der ganze Ballast der letzten Monate einfach so von mir ab und mein Körper fand endlich die Zeit mal alles auszukotzen, was ich so an Krankheitserregern in mich aufgenommen hatte. Sie war natürlich nicht begeistert, ich solle aber beim Arzt anrufen, nicht das es doch Corona ist.

Kurz zusammengefasst: Mein Hausarzt nahm aufgrund der ganzen Vorgeschichte kopfschüttelnd und ungläubig, denn schwach negative Tests gibt es nicht, einen neuen Test ab, welcher – Oh Wunder! – negativ war. Diagnostizierte aber eine stressbedingte aufkeimende dicke Erkältung und schrieb mich zwei Wochen krank. So war ich erst mal zuhause…ging irgendwann wieder arbeiten, gerade auch über die Feiertage, feierte Silvester und arbeitete weiter in der Hoffnung endlich ein Lebenszeichen der Charite zu hören.

Der Park in der Klinik in der ich letztendlich operiert wurde.

Das Lebenszeichen kam, nur anders als erwartet….

Es war Anfang März. Die Selbsthilfegruppe versuchte mich so gut es ging über die Monate seit Oktober aufzubauen und aufzufangen, bis eine Dame, die zufällig in der Charite arbeitet erwähnte, dass sie endlich wieder die ersten Patienten operiert hätten. Ich flippte fast aus vor Wut, rief auf der Station an und erkundigte mich warum ich keinen Anruf bekommen habe, da ich ja auf Platz eins der Warteliste war. Das konnte mir die Dame nicht sagen, sie würde aber meine Unterlagen sofort rauslegen und mich in den nächsten Tagen wegen einen Termin anrufen. Vier Tage vergingen, ehe ich wieder anrief…..ja genau…ich rufte wieder an und erkundigte mich. Meine Unterlagen wären nicht mehr da, die hätte wohl der Arzt bereits mitgenommen sie erkundigt sich und meldet sich. Am nächsten Tag rief ich erneut an, was denn nun Sache wäre. Eine andere Dame sagte mir in ziemlich kaltem Tonfall, dass meine Unterlagen nicht mehr hier wären, die hätten sich nämlich Charite Mitte wieder eingefordert, da sie wieder selbst operieren würden und sie somit nicht mehr zuständig ist.

Somit rief ich in der Charite in Mitte an und erkundigte mich freundlich, wie es denn nun aussehe? Eine sehr schroffe und genervte Schwester am Telefon fiel mir ins Wort und ließ mich mein Anliegen gar nicht darlegen…..Ich brauche nicht hier extra anrufen, wenn die Ärzte es für richtig halten mich zu operieren, dann würden die Ärzte sich schon melden. Eine bariatrische Op ist nicht lebensnotwendig und allgemein haben alle anderen, nicht gewichtsreduzierende Operationen, Vorrang. Sie legte auf….Ich war baff…

Ich wendete mich an meine Selbsthilfegruppenleitung und schilderte ihr dieses Telefonat, sie gab mir Rückhalt und schrieb sofort eine Beschwerdemail an den Chefarzt der für uns zuständig war. Welcher sich auch prompt zurückmeldete und versicherte, dass er sich darum kümmert. Derart Operationen wären ebenfalls sehr wichtig und es könne nicht sein, dass man mit Patienten so redet und diese nicht mal ausreden lässt, geschweige denn verabschiedet.

Die rettende Empfehlung…

Für mich war der Drops gelutscht. Nie wieder wollte ich etwas mit dieser Klinik privat zu tun haben. Das I-Tüpfelchen brachte dann auch noch der Anruf des Assistenzsarztes, zwei Wochen später, der mir sagte, dass ich mich doch nochmal um eine Magenspiegelung kümmern solle, da die letzte über ein halbes Jahr her ist und somit nicht mehr gültig wäre. Als ob es mein Verschulden gewesen ist, dass ich nicht operiert wurde. Natürlich hätte auch diese Magenspiegelung erneut ohne Narkose, aufgrund meines hohen Gewichtes, stattfinden müssen und diesen Horror wollte ich nie wieder erleben. Als ich dann wegen der Arbeit mit meiner Chefin redete, erkundigte sie sich auch darüber, wie es denn nun bei mir weiter ginge. Ihr erzählte ihr von den Vorfällen und dem vielen Telefonaten. Sie war fassungslos und legte mir ans Herz mich doch mal bei ihrer Klinik zu informieren. Sie selbst ist einige Jahre zuvor aus dem selben Grund operiert worden. Gesagt getan…

Am nächsten Tag hatte ich eine nette Dame der MIC Klinik an der Strippe, ich schilderte ihr meine Situation, dass ich alle Unterlagen für die Op bereits hätte und nur noch jemanden suche, der mich endlich operiert. Wir machten einen Vorstellungstermin für Mitte April aus und erneut keimte ein wenig Hoffnung auf.

Der vierte Operationstermin…

Der Vorstellungstermin rückte schnell näher, waren es ja auch nur zwei Wochen bis dahin. Ich fuhr gut eine Stunde mit dem Leihwagen, Öffentliche wollte ich mir soweit nicht antun, nach Zehlendorf. Quasi einmal komplett ans andere Ende von Berlin, das war mir aber sowas von egal. Mit großer Hoffnung betrat ich die Praxis, wurde wunderbar herzlich in Empfang genommen, ausgemessen und gewogen und durfte dann, mit einer kleinen Flasche Wasser und ein paar Aufnahmeprotokollen, im Wartezimmer Platz nehmen. Alles war schnell ausgefüllt ehe ich nach gut zehn Minuten schon zur Ärztin durfte. Eine nette Dame, die mich herzlich, mit einem Lächeln unter der FFP2 Maske, begrüßte und in ihr Zimmer bat. Nach kurzem Smalltalk über meine Beweggründe, erzählte ich ihr unter Tränen von meinem Werdegang in den letzten sieben Monaten. Sie reichte mir ein Taschentuch, fragte mich nachdem auch ihr klar war, dass für mich nichts anderes mehr in Frage kam ausser einer OP nach meinen Wünschen und beendete den Satz mit „Na dann machen wir jetzt mal einen Op-Termin aus, ich möchte sie gerne persönlich operieren, wenn Sie damit einverstanden sind?“ 

Ich war so glücklich, dass ich ihr sagte, dass ich jeden Termin nehme den sie mir anbietet und war überrascht, als sie mir gleich einen Termin in der nächsten Woche nannte. Leider musste ich vorher aber noch ein großes Blutbild und ein Belastungs EKG machen lassen. Die Magenspiegelung wollte sie mir nicht nochmal antun. Da ich für die beiden Untersuchungen aber leider erst in der nächsten Wochen Termine bekam, bot sie mir den 19.05.2021 an. Welchen ich sofort annahm. Somit hatte ich drei Wochen Zeit alle Unterlagen, die noch fehlten und alle Untersuchungen machen zu lassen. Das artete nochmal in positiven Stress und bitterer Ernüchterung aus, denn mittlerweile hatte ich eine hochgradige Insulinresistenz und eine Fettleber. Was ich im Jahr zuvor noch nicht hatte. Die 10 Kg Frust, die mein Körper sich, trotz das ich nicht anders gegessen hatte als zuvor auflud, forderten ihren Tribut.

Zur kurzen Erklärung, eine Insulinresistenz ist eine Vorstufe zum Diabetes. Also fucking uncool! 

Mein Krankenhauszimmer – ziemlich cool!

Dennoch rückte der 19.05.2021 immer näher und wurde auch nicht nochmal abgesagt. Ich fuhr zur Klinik, bekam mein wunderschönes Einzelzimmer mit Privatpatientenflair und wurde um 15 Uhr zur Op abgeholt. Nach einer halben Stunde Spaß mit den Mädels der Anästhesie und lustigem Kanülenlegen, was bei meinen Adern so gar nicht funktionierte, mir aber nichts ausmachte lag ich im angekündigten Seestern auf dem Operationstisch und verabschiedete mich mit dem guten Schlafzeug ins Traumland, ehe ich um 18 Uhr wieder wach wurde und einfach operiert war….

So das war der Werdegang bis zur endgültigen Op. Wie es mir danach erging und auch in den vergangenen vier Monaten, berichte ich euch im nächsten Beitrag. Danke an alle, die sich meinen Roman hier auch noch durchlesen!